Schlagmann Poroton - WOHNANWESEN IN STRAUBING

Wohnanwesen in Straubing

Manchen markanten Gebäuden schaut eine ganze Stadt über Jahre dabei zu, wie sie langsam verfallen. So war es auch in Straubing, wo das ehemalige Gasthaus Frauenbrünnl vor sich hindämmerte und seine Außenanlagen samt altem Biergarten verwilderten. Einst war der unter Denkmalschutz stehende Neurenaissance-Bau prägend gewesen für den Ortsteil Frauenbrünnl mit seiner Wallfahrtskirche.

Doch das ist lange her. Zuletzt war der Bau offensichtlich sanierungsbedürftig, hatte feuchte Wänden und ein ungedämmtes Mansarddach. Weil die Bausubstanz auch einige sehr alte Bestandteile birgt, versprach eine Sanierung richtig kompliziert zu werden. Wer so etwas angeht, muss ein entsprechendes Budget, einen langen Atem und gute Ideen mitbringen. Ein Ärztepaar nahm das 2013 in Angriff, startete die denkmalgerechte Sanierung und ergänzte einen neuen Anbau. Seit 2015 ist das Gebäude wieder bewohnt.

Erst Jagschloss, dann Gasthaus, dann leer

In der bayerischen Denkmalliste erfährt man: Das einstige Gasthaus Frauenbrünnl, im Volksmund auch Schlössl genannt, ist ein langgestreckter zweigeschossiger Bau mit Mansardwalmdach sowie polygonalen Ecktürmen. Älteste Teile des Gebäudes stammen aus dem Jahr 1787, damals wurde es als Jagdschlösschen gebaut und auch lange Zeit so genutzt. Einige Grundmauern sollen noch deutlich älter sein und von einer Bastion stammen. In der Neurenaissance wurde das Gebäude überformt, 1867 war das. Die schöne Fassade mit ihrer für den Baustil typischen Formensprache hat der Zahn der Zeit seither angenagt. Das schöne Ambiente blieb, ebenso wie die wirkungsstarke Nachbarschaft der traditionsreichen Wallfahrtskirche Frauenbrünnl.

Ärgster Feind der historischen Bausubstanz in Frauenbrünnl war die Feuchtigkeit. Zwischen alten, hohen Bäumen, unweit des Mühlbachs, jahrelang unbeheizt, drohte die Feuchtigkeit das Gebäude komplett zu ruinieren. Die aus massiven Ziegeln gemauerten, 45 bis 65 Zentimeter dicken Wände hatten erhebliche Schäden davongetragen.

Dämmung auch für durchfeuchtete Bauteile Im Vorfeld der Sanierung war klar: Der Denkmalschutz erlaubt keine Außendämmung, also müssen alle Lösungen von der Innenseite her kommen. Man entschied sich für die perlitgefüllte WDF , die auf rund 260 Quadratmetern Wandfläche innen vor die alten Mauern gesetzt wurde. Die WDF® punktet hier besonders mit ihren diffusionsoffenen, kapillaraktiven Eigenschaften: Sie toleriert Kondensat nicht nur, sie kann Feuchtigkeit bis zu einem gewissen Grad auch puffern. Die WDF lässt sich in vielen Fällen sogar dann einsetzen, wenn eine bestehende Konstruktion bereits stark durchfeuchtet ist – allerdings müssen Fachleute das im Einzelfall vorab untersuchen.

Um die alte Bausubstanz trocken zu bekommen und zu schützen, hat man in Straubing stellenweise eine neue Bodenplatte geschaffen, die Wände mit horizontalen Sperren gegen aufsteigende Feuchtigkeit gesichert und ihnen zudem eine neue, wetterfeste Außenhaut gegeben: Der alte, schadhafte Putz wurde entfernt und denkmalgerecht ersetzt durch einen Kalk-Zement-Leichtputz. Die neuen WDF-Innenwände wurden im Dünnbettmörtelverfahren hochgezogen, verputzt und gestrichen. Das ging nicht nur einfach, es ließen sich auf diesem Weg auch Unebenheiten des alten Gemäuers ausgleichen, indem die WDF-Dicke je nach Bedarf zwischen 120 und 180 Millimetern variiert wurde.

Pflege für die historische Substanz

Auch um die anderen Bestandteile des Altbaus kümmerten sich die Handwerker liebevoll: Alle schadhaften Hölzer der Dachkonstruktion wurden ausgetauscht, man hat das Dach statisch verstärkt und mit Biberschwanz-Ziegeln neu eingedeckt. Weil der bislang ungenutzte Dachstuhl zum Wohnraum wurde, dämmte man ihn energetisch sinnvoll durch eine Aufsparrendämmung und Mineralwolle. Die alten Holzfens­ter wurden erneuert, wofür neue Holzfenster denkmalgerecht nach historischem Vorbild hergestellt wurden, aber dennoch eine zeitgemäße Isolierverglasung bieten.

Beim Innenausbau der historischen Mauern setzte die vierköpfige Familie auf ökologische Naturmaterialien wie Holzdielen- und Natursteinböden. Und setzte mit einem neuen Anbau, der auf der von der Straße abgewandten Seite ergänzt wurde, gekonnt einen Akzent: Als Kontrast zeigt sich der Anbau modernistisch mit begrüntem Flachdach, viel Glas in Form von großen, bodentiefen Fenstern und einer mit Schiefer verkleideten Fassade. Die Offenheit der Außenwände holt die Natur ins Haus und lässt die Grenzen zwischen Drinnen und Draußen verschwimmen. Beim Neubau setzten die Bauherren ebenfalls auf Ziegel, wählten eine monolithische Bauweise ohne zusätzliche Dämmschicht.

Moderne Heiztechnik im historischen Bau

Der Altbau war früher nur schlecht heizbar über wenige Einzelöfen. Heute sorgt moderne Technik für den gewünschten Komfort: Eingebaut wurde eine Gasbrennwerttherme mit Solarunterstützung.
Der respektvolle Umgang mit dem Alten setzte sich auch ums Gebäude herum fort: Wo immer es ging, hat man den Baumbestand des einstigen Biergartens erhalten.
Die Einfriedungsmauer des Geländes ist rekonstruiert, nach historischem Vorbild. Zwei recht­eckige Wasserbecken markieren heute durch ihre Positionierung die Grenze zwischen Alt- und Neubau. Hof und Garten wurden mit weiten Terrassenflächen ebenfalls neu angelegt. Von der Straße her fällt vor allem die heute wieder schmucke Fassade ins Auge: Sie ist, für Bayern wenig überraschend, ganz in Weiß und Blau gehalten.
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