Schlagmann Poroton - Wohn- und Geschäftshaus in München

Wohn- und Geschäftshaus in München

Die Lindwurmstraße in München hat nicht nur einen besonders schönen Namen, sondern auch eine ganz besondere bauliche Lösung zu bieten. Dort, in Sichtweite des Goetheplatzes, wurde nun mit der Hausnummer 89 eine der letzten Nachkriegs-Lücken behutsam geschlossen.

Wo über Jahrzehnte ein zweigeschossiger Funktionsbau stand, ein ergrautes, unschönes Provisorium, findet sich heute ein modernes Wohn- und Geschäftshaus, das um vier Ebenen ergänzt wurde und somit wieder die ursprüngliche Gebäudehöhe der Vorkriegszeit hat.

Bis es so weit war, wurde viel nachgedacht, und es bedurfte mehrerer Anläufe. Denn der Standort stellte sowohl den Bauherrn als auch den Architekten vor erhebliche Herausforderungen, nicht nur wegen seiner beengten Situation zwischen den flankierenden Bestandsgebäuden und mit nur 570 Quadratmetern Grundstücksfläche. Sondern viel mehr noch wegen des Umgangs mit der Substanz: Klar war, dass der zweigeschossige Nachkriegs-Bau bis zur Kellerdecke abgerissen werden durfte. Ebenso klar war aber auch, dass der alte Keller aus Vorkriegszeiten erhalten werden musste mit seinen gemauerten Kappendecken und Tonnengewölben.

Rettung für alte Kellergewölbe

Statisch war diese Integration des historischen Kellers kein leichtes Unterfangen – denn er kann fast nur an seinen Außenwänden die Lasten eines Neubaus abtragen. Erschwerend kam hinzu: Das Erdgeschoss sollte auch weiterhin gewerblich genutzt werden, und dafür war ein großer offener Raum gewünscht, möglichst ohne Zwischenwände und Stützen.

Was also tun? Die optimale Lösung fand man in einem Materialmix. 25 Zentimeter dicker Stahlbeton war der eine Part, als statisch verlässliche Trägerkonstruktion, um die gewünschte bauliche Flexibilität überhaupt möglich machen zu können. Nach außen erhielt das Gebäude eine zweite Haut, weitere 18 Zentimeter, welche die eher schlechter dämmenden Eigenschaften des Stahlbetons allemal wettmachen: Für diese Schicht wählte man die WDF von Schlagmann.

Zwei Ebenen für das Gewerbe, vier zum Wohnen

Die sechs neuen Geschosse werden nun über den Innenhof erschlossen, über eine Durchfahrt erreicht man die Haustür, das Treppenhaus und den Aufzug. Die beiden unteren Ebenen sind gewerblich genutzt: im Erdgeschoss durch einen Filialisten, im ersten Stock mit weiteren Gewerbeflächen. Auf den vier oberen Ebenen gibt es insgesamt sechs Wohnungen, die beiden oberen sind Maisonette-Wohnungen über zwei Stockwerke. Die Lindwurmstraße ist vierspurig befahren, die Theresienwiese mit dem jährlichen Oktoberfest-Getümmel kaum 400 Meter Luftlinie entfernt. Zur Straßenseite hin zeigt sich die nördliche Fassade daher recht geschlossen mit eher kleinen Fenstern. Umso mehr Wohnqualität bietet die südliche Innenhof-Seite mit bodentiefen Fenstern, Loggien zum Hof in den oberen Stockwerken und einer durchgehenden Terrassenfläche im fünften Stock.

Die EnEV mehr als erfüllt

Der Neubau leistet energetisch viel. Die Gewerbeeinheit im Erdgeschoss hat einen Energiestandard, der um 41 Prozent unter dem ist, was in der EnEV 2009 vorgegeben gewesen wäre. Bei den Wohneinheiten gelang es sogar, um 54 Prozent niedriger zu liegen. Dazu trägt neben der Bauweise und der hoch wärmedämmenden Außenfassade aus WDF auch die moderne Haustechnik ihren Teil bei: Der Gasbrennwertkessel wird von einer Solarthermie-Anlage auf dem Dach unterstützt.
Eine Lösung für die beengte Parksituation zu finden, war äußerst knifflig. Durch einen sogenannten Tiefparker mit Wendeplatte wurden 6 Parkplätze im Innenhof geschaffen.